Vor einigen Wochen habe ich mich bei verwandt.de aus Hamburg registriert, einem Social Network und Genealogie-Portal für Familienstammbäume. Nachdem ich die Daten meiner Familie eingegeben hatte, stellte ich mir die Frage, was wohl mit meinen Daten passieren würde, wenn die Firma verwandt.de in der Zukunft Pleite gehen würde. Ich würde es wünschenswert finden, wenn meine Arbeit nicht einfach gelöscht wird, sondern dem Staat für meine Nachfahren übergeben wird.
Ein paar Tage später lese ich von dieser Pflichtabgabe von Netzpublikationen an die Deutsche Nationalbibliothek in verschiedenen Blogs (BasicTinking, Netzwertig, gulli, digital:next, E-Fee, erecht24.de u.a.). Und was noch vor kurzem für mich wünschenswert war, wird plötzlich zu einem unerwünschten Zwangsabgabe.
Diese Abgabe galt bisher hauptsächlich für Printmedien, also Bücher und Zeitungen, aber auch Tonträger. Dies machte auch durchaus Sinn, um die Entstehung und Veränderungen der deutschen Kultur zu protokollieren. Dies betraf also meist gewerblich entstandene Produkte. Nur, wie ich in einem anderen Beitrag vor ein paar Tagen schon schrieb, treffen im Internet die gewerblichen und privaten Benutzergruppen aufeinander. Und private Publikationen kann man nicht einfach per Gesetz genauso behandeln, wie Veröffentlichungen, die ausschliesslich zur Erwirtschaftung von Gewinn produziert wurden.
Es wird zwar publiziert, dass es nur Unternehmen aber keine private Blogs und Websites betreffen würde, unklar dabei bleibt, wie es mit gewerblichen Anbietern wie blog.de aus Berlin, die private Blogs hosten, oder Foren aussieht, die ja bekanntlich private Beiträge beinhalten. Auch ist nicht genau klar, wie es bei dieser Abgabe mit dem Datenschutz aussieht. Etwa ob eine Community, wie z.B. studiVZ aus Berlin, nur die öffentlich zugänglichen Seiten einreichen muss oder auch sämtliche Seiten aus dem Benutzerbereich samt Profile und Bilder. Dies alles spiegelt ja schliesslich auch unsere derzeitige deutsche Internetkultur wieder.
Die derzeitige Vorgabe ist jedenfalls vergleichbar damit, als wenn Stammtischgespräche aufgezeichnet und archiviert werden oder die Tagebücher der Bürger vom Staat abgespeichert werden, die dann evtl. auch veröffentlich werden. Bleibt zu hoffen, dass die Praxis anders aussieht.
Zu empfehlen wäre der Nationalbibliothek eine Website wie einestages von Spiegel online (gefunden durch Internet Economics), in der jeder Zeitzeuge seine Erlebnisse einreichen kann. Dort ist aber auch jedem Benutzer klar, dass der Sinn seiner Beiträge der ist, sie für unsere Nachkommen bereitzustellen.
Tipp: FAQs der Deutschen Nationalbibliothek
Andere Quellen:
foerderland, Golem, Spiegel online, Netzeitung, Netzeitung Blogblick, Heise
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